Universität Göttingen untersucht Auswirkungen von Palmöl-Biodiesel auf Treibhausgase

Biokraftstoffe aus Pflanzenöl werden zunehmend als Alternative zu fossilen Brennstoffen verwendet, trotz der wachsenden Kontroverse über ihre Nachhaltigkeit. Ein Forschungsteam unter der Leitung der Universität Göttingen hat die Auswirkungen von Palmöl-Biodiesel auf Treibhausgase über den gesamten Lebenszyklus hinweg untersucht. Ergebnis: Die Verwendung von Palmöl aus neuen Plantagen, für die Wälder abgeholzt wurden, führt im Vergleich zu fossilen Brennstoffen insgesamt gesehen zu einem Anstieg der Treibhausgasemissionen. Die Bilanz ist besser, wenn das Palmöl aus Plantagen stammt, die auf bereits abgeholztem Land angelegt wurden. Darüber hinaus könnten die Emissionen durch die Einführung längerer Rotationszyklen oder neuer Ölpalmensorten mit höherem Ertrag reduziert werden. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.

Weil Biokraftstoffe auf Pflanzenölbasis oft als „grüner“ Ersatz für fossile Brennstoffe gelten, hat ihre Verwendung in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Obwohl die Nachhaltigkeit des Einsatzes jetzt zunehmend in Frage gestellt wird, wächst die Nachfrage weiter, was zu mehr Ölpalmenanbau in den Tropen, insbesondere in Indonesien, führt. Die Europäische Union (EU) hat in ihrer Richtlinie über erneuerbare Energien festgelegt, dass Palmöl-Biodiesel über den gesamten Lebenszyklus hinweg im Vergleich zu fossilen Brennstoffen mindestens 60 Prozent weniger Treibhausgasemissionen aufweisen muss. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des deutsch-indonesischen Sonderforschungsbereichs „Ökologische und sozioökonomische Funktionen tropischer Tieflandregenwald-Transformationssysteme (EFForTS)“ haben deshalb auf der Basis von feldbasierten Messungen der Treibhausgasflüsse während verschiedener Phasen des Ölpalmenanbaus in der Provinz Jambi in Indonesien den gesamten Lebenszyklus von Palmöl-Biodiesel untersucht.

„Zwar haben ausgewachsene Ölpalmen hohe CO2-Aufnahmeraten, aber die Abholzung der Wälder hat schwerwiegende Folgen für die Umwelt“, sagt Erstautorin Dr. Ana Meijide von der Abteilung Pflanzenbau der Universität Göttingen. „Tatsächlich werden die Kohlenstoffemissionen, die durch die Abholzung des Waldes verursacht werden, nur teilweise durch die zukünftige Kohlenstoffaufnahme ausgeglichen.“ Die Studie zeigt, dass Palmöl-Biodiesel aus dem ersten Rotationszyklus von Palmen 129 Prozent mehr Emissionen als fossiler Treibstoff produziert. „Die negativen Auswirkungen von Biodiesel auf die Treibhausgasbilanz werden aber reduziert, wenn Palmöl aus Ölpalmenplantagen der zweiten Generation stammt“, ergänzt Prof. Dr. Alexander Knohl, Seniorautor und Leiter der Abteilung Bioklimatologie der Universität Göttingen. Nur Palmöl-Biodiesel aus Plantagen der zweiten Rotation erreicht die von der EU-Richtlinie geforderten Einsparungen von Treibhausgasemissionen.

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse testeten die Forscherinnen und Forscher alternative Szenarien, die zu höheren Treibhausgaseinsparungen im Vergleich zu den derzeitigen Modellen führen könnten. „Längere Rotationszyklen, wie die Verlängerung des Plantagenzyklus auf 30 oder sogar 40 Jahre im Vergleich zu den herkömmlichen 25 Jahren, haben einen erheblichen positiven Effekt auf die Treibhausgasemissionen, ebenso wie Sorten, die früher Erträge bringen“, so Meijide. „Beide Szenarien sind machbar und relativ einfach umzusetzen. Unsere Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, dass die landwirtschaftlichen Praktiken und die Regierungspolitik weitere Waldverluste verhindern und längere Rotationszyklen fördern.“

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Bild: Ana Meijide, Universität Göttingen

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