METROPOLREGION. Am Dienstag, den 22. September 2020, fand das vierte virtuelle Gesundheitstreffen der Metropolregion GmbH mit Experten der Gesundheitswirtschaft statt. Diesmal ging es um die Gesundheitsversorgung 2030. Gerd Dreske, Geschäftsführer der Magrathea Informatik GmbH, warnt vor einem Tsunami: „In zehn Jahren werden die heutigen Akteure im Gesundheitswesen keine bedeutende Rolle mehr spielen, weil neue Anbieter in den Markt drängen werden.“ Seitens der Techgiganten gäbe es ein starkes Wettrennen um den Gesundheitssektor. Noch nie in der Geschichte der Menschheit habe sich Technologie so rasant entwickelt – und die Geschwindigkeit werde weiter zunehmen.

Das machte auch Stefan Muhle, Staatssekretär für Digitalisierung im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung deutlich: „Wir werden eine menschlich digitale Gesellschaft sein. Unser Tempo ist der aktuellen Entwicklung allerdings überhaupt nicht angemessen.“ StS Muhle forderte, dass jeder seiner Verantwortung gerecht werden müsse, damit die derzeit noch vorhandenen Handlungsspielräume nicht verloren gingen. Großen Ankündigungen müsse die Umsetzung folgen. Er unterstrich dabei die Notwendigkeit der Fokussierung auch für Niedersachsen und betonte dabei die Themen Mobilität und Gesundheit. In der Pflege forderte Muhle eine Entscheidung zur Aufgabenverteilung zwischen Mensch und Maschine.

Raphael Koßmann, Techniker Krankenkasse Niedersachsen sieht eine steigende Bedeutung der Gesundheitsdaten für die Versorgung. Im Gegensatz zu Techkonzernen brächten Krankenkassen den Kundennutzen mit hoher Sicherheit in Einklang. Koßmann erwartet maßgeschneiderte Lösungen für Patientinnen und Patienten zwischen allen Leistungserbringern und eine Abkehr vom Silodenken der einzelnen Gesundheitssektoren.
Für Dr. Regina Schmeer, MHH Pflegepraxiszentrum, muss Digitalisierung die Pfleger*innen entlasten: „Der Mensch muss immer im Vordergrund stehen. Wir bauen im Pflegepraxiszentrum der MHH die Pflegestation der Zukunft.“ Dort werden neue Technologien in praktische Anwendung gebracht. Die Gesundheitsdaten gehörten den Patienten und nicht Krankenkassen.
Jasmin Arbabian-Vogel, Interkultureller Dienst GmbH, sieht den zunehmenden finanziellen Druck in der Pflege kritisch, der nicht den Pflegealltag bestimmen sollte: „Für uns bleibt der Mensch in der Pflege ein zentraler Akteur.“ Plattformökonomie würden wir in den beziehungsstarken Dienstleistungsbereichen, wie der Pflege nicht unbedingt antreffen. Dringend notwendig wäre eine ethische Debatte in der ganzen Gesellschaft.

Deutlich wurde, dass die Entwicklung so dynamisch ist, dass niemand absehen kann, wie es 2030 sein wird. Metropolregionsgeschäftsführer Kai Florysiak fasst zusammen: „Die Chancen sind ebenso groß, wie der Handlungsdruck. Auch für das Gesundheitswesen kann gelten: The winner takes it all. Deshalb hoffe ich sehr auf deutlich mehr Mut, Dinge grundsätzlich in Frage zu stellen, mehr Mut zu Risiko, mehr Zusammenarbeit und eine Vervielfachung der Geschwindigkeit.“ Die Zukunft ist jetzt.

Eine Aufzeichnung des HealthTalks vom 22.09.2020 ist auf auf der Youtube-Seite der Metropolregion GmbH zu finden: https://www.youtube.com/watch?v=9YYrQAXqCq0&t=244s

Die Veranstaltungsreihe wird von folgenden #gemeinsamfürmorgen-Partnern unterstützt:

Magrathea Informatik GmbH, PricewaterhouseCoopers (PwC), skbs.digital GmbH, Techniker Krankenkasse und WEDOO by vitagroup.

                                

 

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