Braunschweig | Volles Haus bei der Diskussionsreihe „Impulse zum Feierabend“. Experten aus Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft diskutierten am 23. Oktober 2018 über das Potenzial von Künstlicher Intelligenz in der Medizin. 
 
Künstliche Intelligenz bedeutet eine große Chance für das gesamte Gesundheitswesen. Darin waren sich die Experten bei der Veranstaltung der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg am 23. Oktober 2018 einig. Mit dem Thema Künstliche Intelligenz wurde offenbar auch ein Nerv beim Publikum getroffen. 120 Interessierte verfolgten die Impulsvorträge und die anschließende Diskussion.

Während Professor Christoph Lippert vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) die Zukunft der Medizin skizzierte und aufgrund seiner Forschung voraussagte, dass diese in Zukunft datengetrieben sein werde, stellte Professor Ramin Yahyapour von der Universitätsmedizin Göttingen das Projekt HiGHmed vor. In der Metropolregion ansässig, befasst sich dieses Projekt mit dem großen Thema Big Data in der Medizin. Die drei Universitätskliniken Heidelberg, Göttingen und Hannover sowie das Deutsche Krebsforschungszentrum wollen gemeinsam durch neue medizininformatische Lösungen und einen übergreifenden Datenaustausch Krankenhausinfektionen besser bekämpfen sowie Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch personalisierte Ansätze wirkungsvoller behandeln. „HiGHmed“ erhält in den Jahren 2018 bis 2021 insgesamt rund 30 Millionen Euro, von denen etwa 13,6 Millionen Euro in die Metropolregion fließen. 

Künstliche Intelligenz als Hilfsmittel und Unterstützung für den Arzt, stellte Dr. Martin Hirsch von Ada Health in seinem Vortrag vor. „KI ist eine enorme Chance für Ärzte, nicht gegen Ärzte.“ Kein menschliches Gehirn könne so viele Daten in kurzer Zeit abgleichen und auf eine zielgenaue Diagnose kommen. Gerade bei seltenen Krankheiten könne niemand verlangen, dass der Arzt alle Krankheitsbilder kennt und beschreiben kann. Diese Arbeit kann künstliche Intelligenz für den Arzt erledigen und Tipps und Unterstützung geben, während die Entscheidung über Diagnose und Behandlung aber weiterhin beim Arzt liegen muss. Die Gesundheits-App Ada ist weltweit kostenlos auf iOS und Android verfügbar und überzeugt weit über 6 Millionen Nutzer. In einer regen Diskussion mit dem Publikum wurden diese Punkte diskutiert und neue Fragen, wie etwa nach dem Datenschutz oder Ängsten vor einer „Machtübernahme“ durch Künstliche Intelligenz, aufgeworfen. 

Kai Florysiak, Geschäftsführer der Metropolregion, zeigte sich nach der Veranstaltung zufrieden: „Technik wird uns Menschen in allen Punkten, die auf Routinen, Wissen und Mustern basieren, überlegen sein. Berufsbilder werden sich dadurch grundlegend verändern. KI bietet die riesige Chance, auf der Basis unfassbar großer Datenmengen Krankheiten nicht nur viel besser erkennen und heilen zu können, sondern auch ihren Verlauf, ihre Verbreitung vorherzusagen und Therapien vor dem Auftreten von Symptomen einleiten zu können. Medizin bekommt dadurch eine vollkommen neue Qualität. Ich rege an, dass wir uns in der Metropolregion noch deutlich intensiver mit diesem spannenden Thema auseinandersetzen und Anwendungsmöglichkeiten prüfen.“

Fotos: Andreas Bormann
  • Titel: Volles Haus bei „Impulse zum Feierabend“: Das Interesse am Thema war groß, die Stühle waren bis auf den letzten Platz besetzt.
  • Gruppe: Moderator Florian Kneifel (ganz links) führte durch den Abend. Neben ihm sind hier die Gesundheitsexperten Dr. Martin Hirsch (Ada Health), Prof. Dr. Ramin Yahyapour (Universitätsmedizin Göttingen), Kai Florysiak (Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg) und Prof. Dr. Christoph Lippert (Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering) zu sehen.