Wie lassen sich Bürgerinnen und Bürger für Physik begeistern – oder sogar in die Forschung einbeziehen? Im Projekt KONTAKT, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, entwickeln und erproben Forschende neue Formate der Bürgerbeteiligung.

In der Teilchenphysik haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den vergangenen 120 Jahren gewaltige Fortschritte in der Forschung erzielt. Im heutigen Informationszeitalter – geprägt durch das Internet und soziale Medien – ist es wichtiger denn je, darüber mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Auch um die gesellschaftliche Unterstützung für die Forschungsprojekte zu sichern. Besonders als der Large Hadron-Collider (LHC) seinen Betrieb aufnahm oder Forschende das Higgs-Teilchen entdeckten, war das Interesse der Medien und Gesellschaft groß. Aber auch Forschungsergebnisse zu Neutrinos oder exotischen Bindungszuständen von Quarks wecken Neugierde. Eine gezielte und verständliche Kommunikation hilft hierbei darzustellen, welchen Einfluss die winzigen Elementarteilchen auf unsere Welt haben.

Neue Formate für Bürgerbeteiligung

Hier setzt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt KONTAKT an (Kommunikation, Nachwuchsgewinnung und Teilhabe der Allgemeinheit an Erkenntnissen auf dem Gebiet der Kleinsten Teilchen). Insgesamt 1,3 Millionen Euro stellt das BMBF dafür ab dem 01. Januar 2019 bereit. Mit den Themen MINT-Nachwuchsförderung sowie Transfer und Partizipation greift KONTAKT zentrale Leitgedanken des neuen Rahmenprogramms „Erforschung von Universum und Materie – ErUM“ auf und setzt diese gezielt um. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 30 deutschen Universitäten und Forschungsinstituten beteiligen sich an dem bundesweiten Vorhaben. Ziel ist es, Erkenntnisse aus der Forschung mit kleinsten Teilchen allgemeinverständlich zu vermitteln und neue Kommunikationswege sowie Teilhabeformate zu entwickeln und zu erproben.

Teilchenphysik in der Einkaufsstraße

Zielgruppen sind insbesondere Jugendliche und wissenschaftliche Nachwuchskräfte aber auch die Bürgerinnen und Bürger sowie Journalisten. Außerdem wollen die Projektbeteiligten bereits vorhandene erfolgreiche Programme ausbauen und auf neue Fachgebiete ausdehnen. Dazu zählen beispielsweise die Webplattform „Weltmaschine“, die Neuigkeiten zum LHC für die Öffentlichkeit bereitstellt, und das „Netzwerk Teilchenwelt“. Hier können sich Schülerinnen und Schüler unmittelbar an der Forschung beteiligen und auf echte Forschungsdaten vom CERN, vom IceCube-Detektor oder vom Pierre Auger-Observatorium zurückgreifen. „Diese Angebote sind mobil und finden in Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland statt – auch jenseits der großen Universitätsstädte“, erläutert Michael Kobel, Projektleiter von KONTAKT und Professor für Teilchenphysik an der Technischen Universität Dresden.

Um Bürgerinnen und Bürgern anschaulich und spielerisch einen Einblick in Inhalte und Methoden der Teilchenphysik zu geben, entwickelt das Team der Weltmaschine im KONTAKT-Projekt ein interaktives Ausstellungsmodul. Zusammen mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wird es künftig durch Deutschland reisen. „Unser Modul wird zu den Leuten kommen. Auf dem Markt und in der Einkaufsstraße kann jedermann und -frau verschiedene Spiele ausprobieren, in denen sie mit echten Daten vom Teilchenbeschleuniger hantieren“, erklärt Joachim Mnich, Direktor für Teilchen- und Astroteilchenphysik beim Forschungszentrum DESY in Hamburg.

Enge Vernetzung der professionellen Akteure

Weitere Elemente sind Virtual-Reality-Systeme, Forschungsprogramme für Jugendliche am heimischen PC, Medientrainings für Forscherinnen und Forscher sowie Journalistenreisen. Generell streben die Projektbeteiligten eine engere Vernetzung aller professionellen Akteure in der Kommunikation an. Zudem wollen sie die Nachwuchsgewinnung und die gesellschaftlichen Teilhabe an Erkenntnissen der Teilchenphysik stärken.

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Bild: Netzwerk Teilchenwelt/Michael Hoch