BERLIN. Hygienekonzepte sind nicht erst seit der Corona-Pandemie für Krankenhäuser und die ambulante Pflege wichtige Aspekte der Patientensicherheit. Durch Krankenhausinfektionen, sog. Nosokomiale Infektionen, werden jedes Jahr europaweit etwa neun Millionen Menschen angesteckt. In Deutschland sterben rund 20.000 Menschen an deren Folgen, was die Tragweite der Infektionen verdeutlicht. Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung sind nur zwei Basisfaktoren für die Hygiene. Die Zeit des Pflegepersonals, das persönliche Verhalten und der Fachkräftemangel sind weitere wichtige Risikofaktoren in der Hygiene. Dazu kommen die Angehörigen, die ebenfalls für Sicherheit in der Hygiene sorgen müssen. Große Herausforderungen, die effizient und sicher nicht mehr ohne digitale Hilfsmittel möglich sind, sagt der Bundesverband Medizintechnologie.

Digitale-Lösungen für den praktischen Einsatz
Lösungen, wie NosoEx, bieten einen digitalen Assistenten für die Krankenhaushygiene, indem eine Optimierung der Händedesinfektion erreicht werden kann. Sensormodule im Desinfektionsspender registrieren, wenn der der Spender genutzt wird. Die Daten zur Handhabung des Nutzers werden per Mitarbeitertransponder, Berufsgruppenzuordnung und Daten-Hub übermittelt, sodass es eine Auswertung geben kann. Das HPM Hygiene-Prozess-Management setzt auf das Internet der Dinge, indem ein Tracking per Bluetooth-Sender mit einer Prozessmanagement-Software verbunden wird. Sie dokumentiert Standorte, Aufbereitungs- und Reinigungsprozesse, die einen Hygienestatus von Krankenhausbetten in Echtzeit ermöglicht. Diese Daten zur Reinigungskette können punktgenau analysiert werden, um eine Ressourcenoptimierung der Hygiene zu ermöglichen. Auch eine Überwachung des Abstandsgebotes sowie eine Nachverfolgung von Infektionsketten ist möglich.

HiGHmed Infektions-Kontrolle: Krankenhaus-IT aus der Metropolregion
Und auch die Metropolregion bietet eine IT-Lösung zur Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle. Das HiGHmed Konsortium der Medizininformatik-Initiative (MII) hat auf Basis der Kerndatensätze der MII und der dort konsentierten Standards eine Softwarelösung entwickelt, die Labordaten, klinische Daten und Daten zur Lokalisation von Patienten zusammenbringt und gemeinsam auswertet. Diese Plattform, smart infection control system oder Smarte Software gegen SARS-CoV-2 (SmICS) genannt, lässt unterschiedliche Anwendungen zu, die dazu beitragen können, Krankenhausinfektionen zu vermeiden oder deren Folgen zu minimieren. Der MII-Use-Case konzentriert sich im ersten Schritt auf Infektionen mit multiresistenten Keimen. Hier geht es darum, den Weg eines Infizierten durchs Krankenhaus und mögliche Kontaktpersonen nachzuvollziehen. Denkbar sind auch Alarmfunktionen, wenn an unterschiedlichen Stellen im Krankenhaus derselbe Erreger auftritt und es daher ein Cluster geben könnte. Den Vorteil darin, eine solche Software als Teil der MII zu entwickeln, statt Stand-alone-Lösungen zu nutzen, die es für diesen Zweck ebenfalls gibt, wird in der Standardisierung und in der Möglichkeit einer dezentralen Vernetzung unterschiedlichster Einrichtungen gesehen. So sollen im nächsten Schritt kooperierende Einrichtungen angebunden werden, was eine Nachverfolgung von Infektionsketten über Klinikumsgrenzen hinweg ermöglicht. Auch wird dank Standardisierung eine Art Dashboard denkbar, dass es unterschiedlichen Einrichtungen erlaubt, sich miteinander datenschutzkonform zu vergleichen.

Surveillance-Plattform für die Universitätsmedizin und mehr
Dass eine Anwendung wie SmICS in Zeiten der COVID-19-Pandemie auch über multiresistente Keime hinaus Interesse weckt, ist nicht erstaunlich. Und so entsteht, eng verzahnt mit den MII-Aktivitäten im Bereich Infektionskontrolle, im Rahmen des „Netzwerk Universitätsmedizin“ als eines von dreizehn BMBF-geförderten Projekten ein „Bundesweites Forschungsnetz Angewandte Surveillance und Testung“, kurz B-FAST. Das Netzwerk Universitätsmedizin wurde als Reaktion auf die derzeitige Pandemie im Frühjahr 2020 ins Leben gerufenen. Treibende Kräfte waren Charité-Chef Prof. Dr. Heyo Krömer (ehemals Vorstandssprecher der UMG) und der Charité-Chefvirologe Prof. Dr. Christian Drosten. Im ­B-FAST-Projekt, das von der Infektiologie am Universitätsklinikum Köln koordiniert wird, geht es um eine überregionale Abstimmung der zahlreichen SARS-CoV-2- Test- und Surveillance-Konzepte, die Krankenhäuser im Rahmen der Pandemie in kürzester Zeit entwickeln mussten. Ziel ist eine skalierbare, auf künftige Pandemien oder Epidemien übertragbare Surveillance- und Teststrategie, die auf der IT-Plattform der MII aufsetzt und perspektivisch auch auf Schulen, Kitas und andere Kontexte übertragbar sein soll, für die Surveillance-Strategien nötig sind. (Foto: UMG)

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