Braunschweiger Biotechnologen forschen an Therapien gegen Corona-Virus

Forscherinnen und Forscher der Abteilung Biotechnologie der Technischen Universität Braunschweig sind an einem Forschungsprojekt beteiligt, in dem neuartige Antikörper-Therapien zur Behandlung akuter Corona-Virusinfektionen entwickelt werden sollen. Der internationale Forschungsverbund ATAC (Antibody Therapy Against Corona-Virus)  entwickelt antikörper-basierte Therapien gegen die durch das Virus SARS-CoV2 ausgelöste Lungenerkrankung COVID-19. Zur Erhöhung der Erfolgschancen geschieht dies in mehreren verschiedenen parallelen methodischen Ansätzen. Das Forscherteam der TU Braunschweig übernimmt dabei die Entwicklung menschlicher Antikörper. Dafür arbeiten sie eng mit Kolleginnen und Kollegen aus Schweden, Belgien, Italien und der Schweiz zusammen.

Der Forschungsverbund ATAC wird von der Europäischen Kommission zwei Jahre lang mit  rund drei Millionen Euro gefördert. Insgesamt fördert die Europäische Kommission 17 Projekte mit 136 Forschungsteams aus der gesamten EU mit 47,5 Millionen Euro, um an der Entwicklung von Impfstoffen gegen COVID-19 sowie zur Behandlung und Diagnose zu forschen.

Antikörper werden schon seit 125 Jahren erfolgreich therapeutisch eingesetzt, da sie im Gegensatz zu herkömmlichen Impfungen auch eine Behandlung bereits erkrankter Patienten ermöglichen. Emil von Behring hat dieses Behandlungsprinzip erstmals gegen Diphtherie eingesetzt und dafür 1901 den ersten Nobelpreis in der Medizin erhalten. An der TU Braunschweig werden – im Gegensatz zu den bisher meist in Tieren erzeugten Antiseren – rein menschliche Antikörper mithilfe der Antikörperphagendisplay-Technologie entwickelt. Mit dieser Technologie können menschliche Antikörper im Reagenzglas generiert werden. Dabei erhält man auch den Bauplan für den jeweiligen Antikörper und kann diesen in einer Zellkultur in beliebiger Menge und höchster Qualität produzieren. Professor  Stefan Dübel, Leiter der Abteilung Biotechnologie und einer der Erfinder dieser Methode, Professor Michael Hust, Leiter dieses Projekts, und das Team der Abteilung haben zudem bereits langjährige Erfahrung in der Entwicklung von neutralisierenden Antikörpern gegen Viren, wie zum Beispiel das Marburg-Virus, Ebola und HIV.

Eine Entwicklung von Medikamenten gegen COVID-19 basierend auf diesem Wirkprinzip wird voraussichtlich mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern, vor allem aufgrund der umfangreichen, aber notwendigen Tests auf Wirksamkeit und Verträglichkeit.

» Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik (IB³)

Bild: Blick auf die „Greifhand“ eines beispielhaften Antikörpers (Immunglobulin), mit der er Krankheitserreger aus dem Verkehr ziehen kann.
Bildnachweis: Stefan Dübel/TU Braunschweig

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