Digitalisierung: „Wir sind auf dem richtigen Weg“

Metropolregion feiert Abend der Gesundheitswirtschaft

 

Hannover. „Wir können in der Metropolregion mithalten“, gab sich Prof. Dr. Thomas Hanschke beim „Abend der Gesundheitswirtschaft“ überzeugt. Dafür müssten die Anstrengungen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik weiter verstärkt werden, so der ehemalige Präsident der TU Clausthal und Vorsitzende des Vereins Wissenschaft der Metropolregion. Deutschland habe einen starken innovativen Mittelstand, ein gutes Bildungssystem und immer noch einen Vorsprung in Wissenschaft und Technik. Doch hochqualifiziertes Personal gebe es zunehmend auch in China. „Und unser wissenschaftlich-technischer Vorsprung schmilzt langsam dahin“, warnte Hanschke, der für das Land Niedersachsen auch die Hochschulzusammenarbeit mit China koordiniert. Vom Potenzial der Gesundheitswirtschaft in der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg konnten sich die Teilnehmer des Abends, allesamt Entscheidungsträger aus den unterschiedlichen Teilregionen und Sektoren der Branche, anhand zahlreicher Praxisbeispiele überzeugen. Die Veranstaltung war Teil der Initiative „smart. mobile. health“ der Metropolregion.

 

In Begleitung war Prof. Dr.-Ing. Reinhard Gerndt, Leiter der Arbeitsgruppe Robotik der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, nach Hannover gekommen: Er hatte den humanoiden RoboterPepper“ im Gepäck, der nach entsprechender Programmierung Menschen und deren Mimik und Gestik analysiert und darauf individuell reagieren kann. Der Wissenschaftler und seine Kollegen forschen in Wolfenbüttel unter anderem an den Einsatzmöglichen assistiver Technologien in der Pflege. Unterstützung bei der Pflege soll auch die „Pflegebrille“ bieten, die federführend von der TU Clausthal entwickelt wird und vor allem professionell sowie informell Pflegenden Entlastung bringen könnte. Sowohl die Augmented-Reality-Anwendung als auch „Pepper“ waren im Ausstellungsbereich hautnah zu erleben und sind Teil des aktuell in der Beantragung befindlichen Förderprojekts „Entwicklungsplattform Innovative Pflege“ der Metropolregion. Ziele des kooperativen Projekts von Hochschulen, Unternehmen und Versorgungseinrichtungen sind die praktische Anwendung von technischen Entwicklungen und der Transfer in konkrete Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zur Steigerung der Wertschöpfung in der Metropolregion.

 

Wie wichtig gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften ist, unterstrich Prof. Dr.-Ing. Oliver J. Bott. Der Vizepräsident für Forschung, IT- und Informationsmanagement der Hochschule Hannover stellte beispielhaft den Online-Studiengang Pflegemanagement und -IT vor, den die Metropolregion initiiert und gemeinsam mit mehreren Hochschulen entwickelt hat. Eines von vielen Angeboten in der Metropolregion, das nicht nur die Qualität der Gesundheitsleistungen, sondern auch die Attraktivität der Berufsbilder und Arbeitsplätze erhöht. Welche Chancen zudem in der Vernetzung verschiedener Professionen und Kompetenzen liegen, wusste im Anschluss Inken Holldorf zu berichten. Die Landesvertretung Niedersachsen der Techniker Krankenkasse hatte den „Health Hack“ als Exklusivpartner unterstützt, der im November auf Initiative der Metropolregion zum zweiten Mal in Braunschweig stattfand. Das innovative Veranstaltungsformat bringt kreative Köpfe aus dem Bereich Gesundheit, IT und Kreativwirtschaft zusammen und fördert so nicht nur neue Zukunftsideen, sondern auch Lösungen für ganz konkrete Herausforderungen in der Praxis. Wie stark der Bereich Gesundheit durch die Digitalisierung auch mit anderen Lebensbereichen vernetzt ist, machte Julius von Ingelheim deutlich. Als Leiter Regionalstrategie und Standortentwicklung der Volkswagen AG verantwortet er das Projekt „#WolfsburgDigital“. Digitale Gesundheitsangebote würden für die Lebensqualität der Menschen immer wichtiger, das Auto könne hierbei eine führende Rolle unter dem Stichwort automotive health einnehmen. Bereits heute verfügten Neufahrzeuge über eine umfangreiche Sensorik, so von Ingelheim, und skizzierte die Vision der „Behandlungszelle Automobil“.

 

Sensorik und Vernetzung ist auch das Thema von Prof. Dr. Thomas Deserno. Mit dem Projekt „ISAN“ möchte der stellvertretende geschäftsführende Direktor und Leiter des Standorts Braunschweig des Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik (PLRI) an der MHH und der TU Braunschweig die Notfall- und Rettungskette digitalisieren. Nicht nur das Auto, sondern auch das eigene „Smart Home“ könnte im Falle eines Not- oder Unfalls eigenständig die Rettungskräfte rufen und bereits bei der Anfahrt mit notwendigen, lebensrettenden Informationen versorgen. Das Projekt wurde im Rahmen der Entwicklungsplattform Gesundheitswirtschaft der Metropolregion entwickelt und wird vom Land Niedersachsen mit 1,2 Millionen Euro gefördert.

 

Um lebenswichtige Herausforderungen geht es auch Prof. Dr. Cornelia Blume vom Institut für Technische Chemie an der Leibniz Universität Hannover. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Forscherteam arbeitet die Medizinerin an einem Bioprinting-Verfahren zur Herstellung einer biohybriden Gefäßprothese. Ein eigens entwickelter Bioreaktor und ein 3D-Drucker lassen aus Blut und Gewebe des betroffenen Patienten einen Bypass aus körpereigenem Material entstehen, der das Risiko von Blutgerinseln und Infektionen senkt. Langfristig bietet das Projekt eine herausragende Ausgangslage für die Entwicklung 3D-gedruckter Organe.

 

„Die Beispiele aus allen Teilen der Metropolregion zeigen die großen Potenziale, die die Gesundheitswirtschaft in der Metropolregion hat“, erklärte die Landesbeauftragte Dinah Stollwerck-Bauer vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser. Das Land Niedersachsen unterstütze daher alle Bemühungen, diese zu stärken. Gleichzeitig warb sie für mehr Vernetzung – nicht nur von Personen, sondern auch von Lösungen. Ein Appell, der auch Prof. Dr.-Ing. Erich Barke aus dem Herzen sprach. Der ehemalige Präsident der Leibniz Universität Hannover ist Vorsitzender des Lenkungskreises sowie Fachbeirates „Gesundheitswirtschaft“ der Metropolregion und engagiert sich für die Entwicklung der Branche. „Wir haben hervorragende Köpfe und Ideen. Es gilt, diese zu entdecken, zusammenzubringen und so ihre Potenziale für die Gesundheitsversorgung und die wirtschaftliche Entwicklung in der Metropolregion richtig zu nutzen. Der heutige Abend macht Mut, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, zog Barke gemeinsam mit Kai Florysiak, Geschäftsführer der Metropolregion und Organisator des Abends, ein Fazit.

Programm:

17:30 Uhr | Eintreffen und Ankommen | Besuch der Begleitausstellung
18:00 Uhr | Begrüßung durch Prof. Dr.-Ing. Erik Barke, Präsident a.D. der Leibniz Universität Hannover, Vorsitzender Lenkungskreis und Fachbeirat „Entwicklungsplattform Gesundheitswirtschaft“ der Metropolregion

anschließend

Grußwort des Landes Niedersachsen
Dinah Stollwerck-Bauer, Landesbeauftragte Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser

Digital China – Gesundheit im Reich der Mitte
Prof. Dr. Thomas Hanschke, Präsident a.D. der Technischen Universität Clausthal und Vorsitzender des Vereins Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen in der Metropolregion e.V.

Podiumsgespräch zu aktuellen Projekten der Gesundheitswirtschaft in der Metropolregion, u.a. mit

  • Prof. Dr. Cornelia Blume (Leibniz Universität Hannover)
  • Prof. Dr. Oliver J. Bott (Hochschule Hannover)
  • Prof. Dr. Thomas Deserno (Peter L. Reichertz Institut)
  • Prof. Dr.-Ing. Reinhard Gerndt (Ostfalia Hochschule)
  • Inken Holldorf (Techniker Krankenkasse)
  • Julius von Ingelheim (Volkswagen AG)

Moderation: Florian Kneifel (NDR)
ab 20:00 Uhr | Ausklang bei Imbiss und Gesprächen


Datum:

Freitag, 13. Dezember 2019
18:00 Uhr (Einlass ab 17:30 Uhr)


Ort:

VGH Versicherungen
Veranstaltungscenter (Haus D)
Warmbüchenkamp 8
30159 Hannover

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