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Das Deutschland-Bild von Nicolas Sarkozy änderte sich während seiner Präsidentschaft grundlegend. Wenngleich eine gehörige Portion Skepsis bleibt, so erkannte Sarkozy spätestens im Zuge der Wirtschafts- und Schuldenkrise, dass Europa ein starkes deutsch-französisches Führungsduo braucht.
Von Jacob Leidenberger
Als Nicolas Sarkozy während des vergangenen französischen Präsidentschaftswahlkampfes mehrfach in Anspielung auf Deutschland betonte, Frankreich habe den Verlockungen des Totalitarismus in der Vergangenheit erfolgreich getrotzt und weder die Endlösung erfunden noch Völkermord begangen, war die Empörung groß. Zwar standen die Äußerungen in Verbindung mit der Forderung, Frankreich solle endlich seine demütige Haltung gegenüber der eigenen Geschichte ablegen, deutsche Politiker sorgten sich angesichts der rauen Töne dennoch um die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen unter einem künftigen Präsidenten Sarkozy. Diesen Befürchtungen begegnete der frisch gekürte Präsident noch am Tag seiner Amtseinführung, indem er sogleich demonstrativ zu seiner ersten Auslandsreise nach Berlin aufbrach. Damit wollte er wohl signalisieren, dass er sich durchaus der historischen und europäischen Bedeutung der deutsch-französischen Partnerschaft bewusst ist. Trotzdem blieb Sarkozy weiterhin auch skeptisch, schließlich hatte er der Buchautorin Yasmina Reza noch im Wahlkampf anvertraut, das deutsch-französische Verhältnis sei seiner Meinung nach "hohl" und dass er sich bei Besuchen in der deutschen Hauptstadt "terrorisiert" fühle. Diese Aussagen erscheinen jedoch in einem etwas anderen Licht, wenn man bedenkt, dass Sarkozy von seinem Großvater Benedict Mallah großgezogen wurde, der aufgrund seines jüdischen Glaubens vor den deutschen Besatzern fliehen musste. Seinen Hass gegenüber Deutschland konnte er laut Nicolas Sarkozy jedoch überwinden und akzeptierte im Laufe der Zeit sogar die von De Gaulle betriebene Aussöhnungspolitik mit Deutschland. Wenn sich Sarkozy also zu Äußerungen wie "Deutschland ist zugleich Frankreichs größter Freund und Konkurrent" hinreißen lässt, sollte dies nicht zu drastisch bewertet werden. Diese Einschätzung könnte das Deutschland-Dilemma des Präsidenten indes nicht trefflicher beschreiben: Einerseits muss Sarkozy aufgrund des anstehenden Wahlkampfes sein Krisenmanagement unter Beweis stellen und braucht hierfür Erfolge – das resolute Auftreten von Angela Merkel macht dieses Vorhaben nicht leichter. Erst kürzlich kritisierte die Opposition Sarkozys häufige Zugeständnisse gegenüber der deutschen Kanzlerin und die fehlende französische Handschrift in Europa.
Andererseits weiß Sarkozy ganz genau, dass es ohne Deutschland nicht geht. Gerade in schwierigen Zeiten wie der aktuellen Schuldenkrise ist das deutsch-französische Tandem zu einem guten Verhältnis und unbedingtem Erfolg verpflichtet. Sicherlich äußerte sich Sarkozy auch deshalb in seiner jüngsten Fernsehansprache ungewohnt schmeichelhaft über Deutschland: So lobte er insbesondere das deutsche Steuersystem sowie die unter Kanzler Schröder vorangetriebenen Agenda-Reformen, wie etwa die Anhebung des Renteneintritts- alters, und preiste das Land mit den Worten, Frankreich könne nur dann erfolgreich sein, wenn es sich an Deutschlands funktionierendem Sozial- und Wirtschaftssystem orientiere. Im Hinblick auf den anstehenden Wahlkampf erscheint es deshalb äußerst wahrscheinlich, dass sich Sarkozy als europäischer Staatsmann präsentiert und insbesondere auf die zusammen mit Angela Merkel errungenen Erfolge in der Bekämpfung der Wirtschafts- und Schuldenkrise verweist. Diese Strategie könnte sich auszahlen: Laut einer aktuellen Umfrage von Opinion Way vertrauen zuletzt 32% der Franzosen auf Nicolas Sarkozys Lösungs-Kompetenzen zur Überwindung der Finanzkrise – die Vorschläge seines größten Rivalen François Hollande überzeugten hingegen nur etwa 23% der Franzosen.
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