Die Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg hat es sich in ihrem aktuellen Arbeitsprogramm zur Aufgabe gemacht, Projekte zur Gestaltung des demografischen Wandels zu entwickeln und zu unterstützen. Mit Hilfe des Landes Niedersachsen werden in diesem Jahr erstmals vier Modellprojekte gefördert. Die Förderbescheide wurden heute den Antragstellern übergeben.

Länger in den eignen vier Wänden leben – Forschungs- und Praxisprojekt zum „Ambient Assisted Living“
Torsten Voß von der Nibelungen Wohnbau GmbH und Silke Pförtner von der Wiederaufbau eG freuen sich über einen Zuschuss von 150.000 € für ein Forschungs- und Praxisprojekt zum „Ambient Assisted Living“. Das Projekt wurde von der Metropolregion GmbH initiiert und in der Antragstellung begleitet.

Die beiden Wohnungsbauunternehmen haben es sich zum Ziel gesetzt gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover und der TU Braunschweig beziehungsweise dem Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik die bestehenden Systeme des „Ambient Assisted Living“ (AAL, auf Deutsch: Altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben) zu optimieren und intelligente Gebäudetechnik in die breitere Nutzung zu bringen.
Zur Sammlung von Daten zum Wohnverhalten und Erfahrungsberichten der Mieter werden insgesamt neun Wohnungen mit Hausautomationskomponenten unterschiedlicher Hersteller ausgestattet. „Das Projekt „AAL-Wohnungen in der Forschung und Praxis“ möchte unter anderem analysieren, wie eine möglichst hohe Akzeptanz der Systeme bei älteren Menschen erreicht werden kann und diese Systeme und Dienstleistungen optimal auf die individuellen Bedarfe angepasst werden können“, berichtet Projektleiter Torsten Voß.

Wenn der Feuerwehrwagen zum Schwimmbadbus wird – Entwicklung eines Mobilitätsressourcenmanagements vor Ort
Martin Franke, Bürgermeister der Stadt Rehburg-Loccum, nahm stellvertretend für die beteiligten Kommunen aus dem Raum Nienburg/Weser einen Bescheid über einen Zuschuss von 98.000 € für das Projekt „Mobilitätsressourcenmanagement Mitte Niedersachsen – MOREMA“ entgegen.
Das Projekt MOREMA hat sich zum Ziel gesetzt, ein leistungsfähiges Mobilitätsangebot für Menschen mit eingeschränkter individueller Mobilität zu schaffen. Um ein ergänzendes ÖPNV-Angebot schaffen zu können, kommen un- oder untergenutzte Fahrzeugkapazitäten der beteiligten Kommunen zum Einsatz.
„Die Landesförderung leistet durch MOREMA einen Beitrag zu verbesserten Lebensbedingungen in ländlichen Räumen und unterstützt den Erhalt ländlicher Infrastruktur“, freut sich Landesbeauftragte Beckmann.

Kooperationspartner sind der Landkreis Nienburg/Weser, die kreisangehörigen Städte und Gemeinden sowie die Verkehrsbetriebe Grafschaft Hoya GmbH.
Das Vorhaben knüpft an die bereits vom Bundesverkehrsministerium unterstützte Entwicklung von Einzelfahrtangeboten, wie z. B. dem Schwimmbadbus in Rehburg-Loccum, bei dem der Feuerwehrwagen in den Sommermonaten als Zubringer zum örtlichen Schwimmbad eingesetzt wurde, an.
„Nun folgt der nächste Schritt in dem wir einen regionalen Pool mit Fahrzeugen schaffen, und somit ein System zur Vermittlung der nötigen Ressourcen entwickeln“, erklärt Bürgermeister Franke. „Auf der einen Seite haben wir eine Reihe an ungenutzten Fahrzeugen, auf der anderen Seite bestehen Mobilitäts- und Kapazitätsbedarfe. Das Projekt ist ausdrücklich als Teil der Daseinsvorsorge konzipiert und wird unternehmerischen Angeboten wie Taxi- oder Linienverkehren keine Konkurrenz machen. Vielmehr stellt es eine sinnvolle Ergänzung dar.

Hilfe zur Selbsthilfe – „AutoNome Dorfmobilität“
Sabine Neef und Michael Fuder vom Projektbüro merkWATT GmbH sowie Bauamtsleiter Sven Volkers vom Landkreis Wolfenbüttel nahmen einen Bescheid über einen Zuschuss von 75.000 € für das Projekt „AutoNome Dorfmobilität“ entgegen.
Der Landkreis Wolfenbüttel setzt sich gemeinsam mit der merkWATT GmbH das Ziel, Lösungen zur nachhaltigen Mobilität für alle im ländlichen Raum mit „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu finden. Der Fokus des Vorhabens liegt auf dem koordinierten Einsatz un- oder untergenutzter Fahrzeug-, Beförderungs- und Transportkapazitäten aus öffentlichem und privatem Eigentum. Diese Mobilitätsressourcen sollen für ein dörfliches Mitnehm- und Mitbringsystem genutzt und mit dem öffentlichen Verkehr kombiniert werden. Die Konsequenz ist eine große Ersparnis von Zeit, Kosten, Energie und Treibhausgasen. Das Projektbüro merkWATT ist durch zahlreiche Aktivitäten im Landkreis Wolfenbüttel mit den Strukturen vor Ort vertraut und koordiniert den Prozess. Der Zweckverband Großraum Braunschweig, als zuständiger Aufgabenträger des ÖPNV ist selbstverständlich eingebunden.
„Wir freuen uns auf einen spannenden Start in das Projekt. Die Beispieldörfer bzw. Dorfverbünde, in denen die „AutoNome Dorfmobilität“ exemplarisch umgesetzt werden soll, werden zu Beginn im Wettbewerbsverfahren ausgewählt. Dort wird das System durch ein breites Beteiligungsverfahrens speziell auf die vorhandenen Bedingungen und Bedürfnisse zugeschnitten“, erläutert Sabine Neef.

Ältere Menschen im Straßenverkehr sicherer unterwegs – Weiterentwicklung von Assistenzfahrsystemen
Jens Rieken und Susanne Ernst vom Institut für Regelungstechnik der TU Braunschweig nahmen stellvertretend für Projektleiter Prof. Dr. Markus Maurer den Bescheid über einen Zuschuss von 90.000 € zur Förderung des Projektes „EPICA – Elderly People Intersection Crossing Assist“ entgegen. Das Projekt wurde von der Metropolregion aufgrund der starken Nähe zum Schwerpunktthema automatisiertes Fahren forciert.
Innerstädtische Kreuzungen stellen Autofahrer häufig vor Herausforderungen, da in kürzester Zeit eine Reihe an komplexen Entscheidungen zu treffen sind. Mithilfe von Kreuzungsassistenzsystemen soll eine automatisierte Anfahrt und Durchquerung von mehrstreifigen Kreuzungen ermöglicht werden. „Durch die weitere Forschungsarbeit wollen wir erreichen, dass die Assistenzsysteme beispielsweise Rotlichtverstöße und Konflikte mit dem Gegenverkehr beim Linksabbiegen sowie beim Rechtsabbiegen mit Fußgängern und Radfahrern erkennen und demensprechend reagieren. Das System soll den Fahrer von der Fahrstreifenwahl bis zur Wiedereingliederung in den Verkehrsfluss unterstützen“, erläutert Jens Rieken. Das Projekt baut auf den bisherigen Erkenntnissen des Projektes „Stadtpilot“ auf, dass das Ziel verfolgt, ein computergesteuertes Fahrzeug auf dem Stadtring von Braunschweig autonom im öffentlichen Verkehr fahren zu lassen.

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