Hannover. „Digital first“ – das gilt künftig auch im Gesundheitswesen. Seit Jahresbeginn werden Rezepte nur noch elektronisch ausgestellt, sämtliche persönliche Gesundheitsdaten sind zentral im Internet gespeichert und können von dort bei Bedarf mit Gesundheitsdienstleistern geteilt werden.

Zudem gibt es Anreize für Patienten und Ärzte, Sprechstunden am Telefon oder per Skype durchzuführen.
Was sich wie Zukunftsmusik anhört, ist bereits Realität – allerdings noch nicht in Deutschland, sondern in Finnland.
Das erfuhren die Gäste des Jahresauftaktes der Initiative „eHealth.Metropolregion“, zu der die Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg GmbH in Hannover eingeladen hatte. „eHealth – Wie weit ist Europa uns voraus?“ wollten über 60 Gesundheitsexperten aus der Region wissen. Antworten gaben Maritta Korhonnen vom finnischen Ministerium für Soziales und Gesundheit sowie Dr. Irina Weik, im österreichischen Bundesministerium für Gesundheit und Frauen für den Bereich Gesundheitstelematik verantwortlich.
Auch Österreich setzt bereits auf die elektronische Gesundheitskarte, die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) sowie Telefonsprechstunden.

 

Mit dem Blick über den Tellerrand zu den europäischen Nachbarn wollten die Teilnehmer, unter ihnen Klinikchefs, Ärzte, Vertreter von Krankenkassen und IT-Experten vor allem zwei Fragen beantwortet wissen: Hat Deutschland bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens den Anschluss bereits verloren?
Was braucht es, damit nicht nur Apple, Google, Amazon daran Geld verdienen, sondern auch die regionale Wirtschaft?
„Aktuell ist viel Bewegung in der gesamten Branche. Noch haben wir die Chance, bundesweit ganz vorn zu sein und selbst Maßstäbe zu setzen.
Das Zeitfenster hierfür ist allerdings schmal“, warb Kai Florysiak, Geschäftsführer der Metropolregion GmbH, um mehr Tempo.
Denn kluge eHealth-Angebote könnten nicht nur die Gesundheitsversorgung in der Metropolregion, insbesondere im ländlichen Raum, stärken, sondern auch vorhandene Arbeitsplätze sichern und neue schaffen.
Mit ihren rund vier Millionen Einwohnern, 94 Kliniken, über 7.000 niedergelassenen Ärzten sowie einer gut aufgestellten Gesundheits- und IT-Wirtschaft sehe er in der Metropolregion große Potenziale im Bereich eHealth, so Florysiak.
Für den Austausch von Gesundheitsdaten zwischen Patienten, Kliniken, Ärzten und anderen Gesundheitsdienstleistern bedarf es jedoch einer einheitlichen Infrastruktur auf der einen sowie innovative Versorgungsmodelle und Mehrwertdienste auf der anderen Seite.
„Um das Feuer für eHealth in der Metropolregion zu entfachen, braucht es einen intensiven Austausch über die Sektoren im Gesundheitswesen und die Branchen hinweg. Wir bringen die dafür notwendigen Akteure an einen Tisch und setzen so gemeinsam wichtige Impulse“, erklärt der Geschäftsführer der Metropolregion GmbH den Ansatz der Initiative.
Der Besuch von Gesundheitsexperten aus Finnland, den Niederlanden, Österreich, Spanien und Portugal in der Metropolregion bot dazu einen guten Anlass. Weitere Veranstaltungen in der Metropolregion, darunter auch in Braunschweig und Göttingen, sind in Planung.

 

Foto: Telke Nieter